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[5] FORMENSPRACHE

Durch die Vereinfachung von Objekten aus der Natur in seinen Tuschezeichnungen kommt Arp zur Verdichtung ihrer Natur im bewegten Oval, das für ihn die Metamorphose als Werden, Sein und Vergehen der Körper symbolisiert. Als wesentlichste Form des Lebens verkörpert es den Ursprung von kosmischem, biologischem und menschlichem Sein, was sich in Anspielungen auf Sonne, Zelle und Nabel äußert. Damit tritt das Oval, das bereits in den Reliefs des Unterabschnitts über die „Gesetze des Zufalls“ eine Rolle spielte, in einen Wachstums- und Metamorphoseprozess ein: Es nimmt abgewandelte Formen an, die aber immer das Absolute der generischen Form in sich tragen. Zwar ist Metamorphose hier zunächst im Sinne Goethes zu verstehen, der sie als ein Prinzip der organischen Natur begriff. Doch auch ihre literarische und mythische Dimension spielt eine Rolle: Mehrere Werke des Altertums, darunter Ovids „Metamorphosen“, gehen auf die Verwandlung von Menschen in Tiere, Pflanzen, Quellen und Gegenstände ein. Schließlich besteht auch eine Verbindung zwischen der Vorstellung, dass sich alles in alles verwandelt, und dem surrealistischen Metamorphose-Konzept. Arp räumte selbst ein, dass der Surrealismus den assoziativen Aspekt seines Schaffens möglicherweise verstärkt hat.
In der Tat erinnern die aus der Metamorphose des Ovals entstehenden Formen an die Natur (Vogel, Blatt), den Menschen (Mund, Schnurrbart) oder die gegenständliche Welt (Krawatte, Eierbecher). Doch sind diese drei Kategorien nicht streng voneinander getrennt, und Arp vermischt sie gern – so werden eine Flasche und ein Nabel zur „Nabelflasche“. Oder er stattet die eine mit den Eigenschaften der anderen aus – Gegenstände werden vermenschlicht, der Mensch wird vergegenständlicht. Dabei dominiert zwar Arps Humor, doch sein kritischer Geist ist nicht fern. Die Gleichbehandlung von Mensch, Natur und Gegenständen ist auch eine Warnung: Der Mensch ist nicht Maßstab aller Dinge, er ist nicht mehr der Mittelpunkt, der er seit der Renaissance zu sein glaubt.
All diese Formen gehören zu Arps künstlerischem Grundwortschatz, der ab 1920 Gestalt annimmt: 1923 veröffentlicht er in der Zeitschrift Merz 7 Lithografien mit dem Titel Arpaden; 1950 folgen zehn Holzschnitte mit dem Titel Elemente. 1957 veröffentlicht er in der Zeitschrift XXe Siècle die Encyclopédie arpadienne, eine Auflistung und Beschreibung seines gängigsten Formenvokabulars. Diese Dokumente sind wertvolle Referenzen für das Verständnis von Arps Reliefs und Skulpturen, denn seine Formensprache spielt auch beim Übergang vom Relief zur Skulptur eine entscheidende Rolle.